Vor wenigen Jahren stand Max Zelitzow noch bei Wind und Wetter auf der Baustelle. Heute hält der 27-Jährige aus Emsdetten seinen Realschulabschluss mit der Traumnote 1,0 in den Händen. Sein nächstes Ziel ist bereits klar: Nach dem Fachabitur möchte er bei der Polizei studieren. „Ich möchte später im Streifenwagen sitzen und mit Menschen arbeiten“, sagt er. Dass dieser Traum heute greifbar ist, verdankt er einer Entscheidung, die sein Leben verändert hat – dem Besuch der Abendrealschule Rheine.
„Mir war wichtig, erst einmal eine Ausbildung in der Tasche zu haben“, erzählt Max. Nach der neunten Klasse verließ er damals als Jugendlicher die Realschule und absolvierte eine Ausbildung zum Anlagenmechaniker. Anschließend wechselte er als Quereinsteiger in die Medientechnik. Doch trotz sicherer Arbeitsplätze blieb das Gefühl, beruflich noch nicht angekommen zu sein.
„Ich habe gemerkt, dass ich das nicht bis zur Rente machen möchte. Wenn man bis 67 arbeitet, sollte man einen Beruf wählen, der einen wirklich erfüllt.“
Die Entscheidung, noch einmal die Schulbank zu drücken, fiel eher spontan. Rückblickend war sie genau richtig. Mit Ehrgeiz und Ausdauer arbeitete Max auf seinen Realschulabschluss hin und schloss ihn mit der Bestnote 1,0 ab.
Besonders geprägt hat ihn die Vielfalt an der Abendrealschule. „Hier lernen Menschen unterschiedlichsten Alters und aus den verschiedensten Ländern gemeinsam. Ich habe gemerkt, wie gerne ich mit Menschen arbeite und wie spannend unterschiedliche Lebensgeschichten sind. Das hat meinen Wunsch bestärkt, Polizist zu werden“, sagt der 27-Jährige.
Bei der Abschlussfeier nutzte Max die Gelegenheit, sich bei der Stadt Rheine und Bürgermeister Dr. Peter Lüttmann zu bedanken. Sein Dank galt der Möglichkeit, die das Weiterbildungskolleg Erwachsenen eröffnet: unabhängig von Alter, Herkunft oder bisherigen Lebenswegen einen Schulabschluss nachzuholen und neue berufliche Chancen zu ergreifen.
Seinen Rat an alle, die jetzt im September an der Abendrealschule vormittags oder abends beginnen, formuliert er einfach und ehrlich: „Gebt nicht auf. Das Lernen im Erwachsenenalter ist nicht immer leicht. Viele kommen direkt von der Arbeit oder müssen Familie und Schule miteinander vereinbaren. Aber es lohnt sich. Man kann seine Ziele erreichen.“
Genau diese Chance nutzen seit dem 1. Schultag am 02.09. rund 300 junge Menschen, die an der Abendrealschule Rheine entweder am Vormittag oder am Abend in das neue Schuljahr gestartet sind. Während in den Erstförderungsklassen Schülerinnen und Schüler zunächst die deutsche Sprache erlernen und damit die Grundlage für ihre Integration sowie ihren weiteren Bildungsweg schaffen, verfolgen viele andere das Ziel, einen Schulabschluss nachzuholen. Manche möchten studieren, andere eine Ausbildung beginnen oder sich beruflich neu orientieren. Viele bringen bereits eine abgeschlossene Berufsausbildung und Berufserfahrung mit – und haben erkannt, dass es nie zu spät ist, einen neuen Weg einzuschlagen.
Die Abendrealschule Rheine begleitet Menschen genau in diesen Lebensphasen. Sie vermittelt nicht nur Schulabschlüsse, sondern eröffnet neue Perspektiven. Die Geschichte von Max Zelitzow zeigt eindrucksvoll, was möglich ist, wenn Menschen eine zweite Chance erhalten – und den Mut haben, sie zu nutzen.
Text: Weronika Anger
Foto: Weronika Anger






























